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Benedict Bridgerton

22. Sept.
4 Min. Lesezeit

Für mich ein voller Erfolg und Fortschritt im Aquarell dank Entspannung und Planung.


Eine gute Freundin hat sich den Benedict gewünscht. Sie ist ganz fasziniert von der Bridgerton-Serie, die unter das Genre „Regency Romance“ fällt. Aufwändige Kostüme, Orchestercovers, Klischees und Tratsch = moderner Kitsch. Keine abfällige Meinung, das ist schlicht das Erfolgsrezept. Yes, die Serie ist ein „Kopfkino-Urlaub“ vom feinsten. 


Benedict Bridgerton Watercolor Portrait
Benedict Bridgerton

Mir persönlich bleiben die Details fremd. Seit Suits und Game of Thrones habe ich mir selber ein Serienverbot auferlegt. In meiner Erinnerung sitze ich noch immer auf dem Bett in meinem Studentenzimmer, mit einer Schüssel Kölln Müsli in der Hand. Und merke es nicht, dass es draußen wieder dunkel wird, weil John Snow mich mit einem Cliffhanger nicht gehen lässt. Zugegeben, ich kann bei guten Serien einfach nicht aufhören. Deswegen lass ich es gleich bleiben. 


Mein selbst gestecktes Ziel war es, dass das Portrait zu 100% auf meinen Entscheidungen alleine basiert. Egal, ob es was wird oder nicht. Ich wollte lernen, flexibler auf „Unvorhergesehenes“ zu reagieren. Klar, es ist nur ein Blatt Papier. Dennoch fließen so viele Stunden in ein Portrait und sollte unterwegs was schief laufen, fühlt es sich dennoch doof an. Bei Aquarell ist es ja so, dass Farbaufträge gleich sitzen sollten. Das Papier ist nur bis zu einem gewissen Grad strapazierfähig und es lassen sich auch nur transparente Farben wieder gut lösen. Anders als in Öl oder Acryl lassen sich Fehler schwieriger ausbessern. Dieses Porträt war der Moment, in dem ich den Sprung ins kalte Wasser wagte und ein Poster-Format ganz allein in Angriff nahm.


Zuerst die Details zu den Arbeitsmaterialien: ARCHES® 300 g/m2, Cold Pressed, 56x76cm mit meiner Palette aus überwiegend transparenten Farben (Daniel Smith, Winsor & Newton sowie Schmincke). 


Transparente AquarellPalette
Aquarell Palette mit überwiegend transparenten Farben

Blaues Wunder


Die Vorlage vom Benedict ist in Grün- und Blautönen gehalten und da dachte ich mir, ein blauer Layer als Fundament wäre clever. Und natürlich ein erster, einfacher Schritt, bissl Farbe aufs Papier zu bekommen ;) Dann schaut's nimmer so nackig aus.


Blue layer in Watercolor
Erster Layer in Blau

Außerdem dient die Untermalung dazu, realistischere Schatten zu erzeugen, optische Tiefe zu schaffen und die Leuchtkraft der Hauttöne zu verstärken.


In meiner limitierten Palette habe ich nur zwei Blautöne - ein eher warmes und ein eher kaltes Blau. Entschieden habe ich mich für das wärmere, dem Franz. Ultramarin von Schmincke.


Es ist granulierend, was ich in dem Fall ganz schön fand. Es bedeutet schlicht, dass sich die Farbpigmente beim Trocknen in den kleinen Vertiefungen des Papiers absetzen und dort winzige Punkte oder eine sichtbare Körnung bilden - man sieht mehr Struktur.





Warm wird's


Im nächsten Schritt trage ich die wärmeren Hauttöne mit auf das Papier und taste mich langsam voran. Es ist schon etwas ungewöhnlich mit dem Blau. Bisher habe ich immer von hell nach dunkel im Aquarell gearbeitet. Und plötzlich liegt da schon ein Schatten. Ich glaube man sieht am Pinselstrich, dass ich etwas zaghaft bin.


Adding Skin color to portrait
Hauttöne kommen hinzu

Die Bedenken, dass ich das Bild gleich mit dem ersten Layer verunstalte schwingen noch mit.

Ein kleiner Trick, damit man gar keine Zeit hat es groß zu zerdenken: große Pinsel!


Damit kann ich mich nicht im klein-klein verdüddeln und fokussiere mich mehr auf das große Ganze. Dass ich erstmal das gesamte Gesicht koloriere und dann weiterschaue.


Das ist wirklich das Tolle an großen Bildern. Sie „zwingen“ einen, fünf auch mal grade stehen zu lassen. Zumindest bei mir ist das so. Das Gerüst vom Benedict steht erstmal soweit.





Die Ugly Stage - gut Ding will Weile haben


Bisherige Portraits habe ich meist in einem Rutsch zu Ende gebracht. Maximal vier Wochen lasse ich mir in der Regel dafür Zeit. Grund dafür ist ein guter Rad vom Edi: wenn es zu lange liegt, verliert man irgendwann den Bezug dazu und es fällt schwer, weiter zu machen. Stimmt. Bei Benedict Bridgerton lagen jedoch einige Monate dazwischen. Für ihn wollte ich mir Zeit und Muse nehmen und das war erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich.


Ugly Stage Benedict Bridgerton
Die Ugly Stage im Aquarell

Als es dann an der Zeit war, hab ich mich wieder an Edi's Rat erinnert. Der nächste Layer war ein echtes rantasten an die Farben. Ganz im Sinne von: will ich das wirklich genau so grün/blau wie auf der Vorlage machen?


Jap. Hab ich gemacht und bin direkt in die Ugly Stage rein. Macht aber nichts, mit frischem Blick ging's relativ geschmeidig weiter.


Mittlerweile kenne ich auch mein Papier und meine Farben recht gut. Wenn ein Farbauftrag wirklich nichts wird, kann ich das meistens wieder korrigieren.





Kopf aus, Farbe an - Flow


Ich glaube, dass ich leichter in den Flow gerate, weil ich mein Werkzeug - Papier und Farben - immer besser verstehe. So kann ich den Anspruch, das unfertige Bild mit meiner Vorstellung zu matchen, besser loslassen und mich voll und ganz auf das Tun einlassen. Das gelingt mir immer öfters, was ich ziemlich cool finde.


Insights to process in my watercolor studies
Jetzt kommt Farbe mit ins Spiel

So kann ich auch deckende Farbaufträge konzentriert und ohne Ego-Plapperei mischen, auftragen und ins Bild einarbeiten.


Ein kleiner Helfer ist die Farbkarte, sie sieht man im Bild rechts neben dem Wassereimer. Sie kann ich mit dem Referenzbild abgleichen und die Farben entspannt mischen.





Der Schlüssel - aktuell ;)


Das ist vielleicht genau der Unterschied, zu vorherigen Portraits : Ich bleib entspannter, komme öfters in den Flow und schreibe meine nächsten Schritte auf. Dieses Planen hilft mir, in Blöcken zu denken und nicht gleich alles auf einmal lösen zu wollen. So bleibt der Kopf frei, weil ich möglichst viele Loops schließe und komme eher ins Tun.


Vielleicht kommt auch irgendwann der Moment, dass ich in Aquarell genauso intuitiv loslegen kann wie in Kohle. Bis dahin plane ich, auf welche Details ich mich fokussieren möchte. Das ist ja das spannende am Portrait. Das können die Augen, der Mund, die Haare, etc sein. Wo sollen Betrachter hängen bleiben.


Bei Benedict fokussiere ich mich ganz auf seine Augen und die Mundpartie. Die Haare gehen fließend in den Hintergrund über, die Ohren lasse ich dezenter. Zum Schluss ist ein Portrait das fertige Ergebnis von vielen kleinen Entscheidungen. 

Benedict Bridgerton Aquarell Portrait
Et voilà: Benedict Bridgerton

Für mich ist der Benedict ein Wegweiser, ein neues Level an Ausdruck. Vor einem Jahr hätte ich ihn in dieser Detailtiefe alleine noch nicht hinbekommen. Wie immer gilt: einfach weiter machen. Irgendwann erreichst du das Ziel.


Danke, dass du dir die Zeit nimmst, und mich auf dieser Reise begleitest. Das schätze ich wirklich sehr! Teil gern deine Gedanken mit mir in der Kommentarspalte oder auf WhatsApp. Bis bald!

 
 
 

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